“Ich wurde überschüttet von Glückshormonen!”

Judith hat sichtlich Spaß auf der Schwungmatte (Foto: anaschanze.com)

Ich freue mich sehr, Dir dieses Interview mit Judith Arlt präsentieren zu können. Es liegt schon lange bereit und nun komme ich dazu, es zu veröffentlichen. Ich kann Dir wirklich ans Herz legen, Dich durch dieses Interview auf die Reise mit Judith zu begeben. Ihre Antworten sind voller Tiefe, Körpergefühl und Eigenverantwortung für ihre Gesundheit. Es macht mir große Freude, mit ihr zusammenzuarbeiten.

Ich erinnere mich genau an ihren “Durchbruch”, als Judith plötzlich von der Schwungmatte abhob und voller Freude jauchzte. Damit zog sie die Aufmerksamkeit der ganzen Gruppe auf sich, dabei mag sie eher im Stillen für sich trainieren. Nein, die Bezeichnung “trainieren” findet sie für sich nicht angebracht, aber ich bin auf jeden Fall der Meinung, dass sie sehr wohl trainiert. Judith nimmt sich jedes Mal etwas vor, woran sie wachsen und sich entwickeln möchte. So verwundert es nicht weiter, dass die 62-Jährige mit einer Herzfrequenz einer 40-jährigen Person auf der Schwungmatte “performt”.

Judith “performt” auch abseits der Schwungmatte hervorragend. Erleben kannst Du sie bei ihrer Buch-Premiere für “friedas gangarten” am 07. März 2020 um 20 Uhr im Traumausstatter in Meldorf. Karten gibt es im Peter Panter Buchladen.

Liebe Judith, wie bist du auf das Trampolin-Training aufmerksam geworden?

Über Facebook und über den Traumausstatter, den Veranstaltungsort in Meldorf.

Was hat dich veranlasst, mit dem Trampolin zu trainieren?

Das Wort „trainieren“ stört mich ein bisschen. Ich trainiere nicht. Dazu fühle ich mich zu alt und zu wenig konsequent, zu wenig ehrgeizig, zu wenig sportlich. Du bietest Trampolinkurse an. Für mich war es erstmal eine Chance, überhaupt einmal mit einem Gefühl der Sicherheit auf ein Trampolin zu steigen. 

Das „Trampolin“ als Wort habe ich seit etwa 15 Jahren in meinem Kopf. Damals lebte ich noch in Berlin und praktizierte an einer sehr guten Schule Tai Chi und Qi Gong im sogenannten authentischen Yang Stil. Wir waren eine Handvoll guter Freunde, die gegen Ende der 1990-Jahre mit TC angefangen hatten und über die Jahre zusammen die Form lernten, übten und vertieften. Eines Tages hörte ein Mann aus unserer Gruppe für uns alle unverständlich, von einem Tag auf den anderen auf, weil er jetzt, wie er sagte, „Trampolin mache“. In meinem Kopf hat sich aus seinen Schilderungen damals festgesetzt, dass Trampolinspringen gut für den ganzen Organismus ist, weil man sich dabei immer wieder für einige Sekunden in die Schwerelosigkeit begibt und dadurch der Lymphfluss angeregt wird. Das ist eine wahrscheinlich verkürzte und unqualifizierte Beschreibung des „Hüpfens“. Aber ohne diese im Hinterkopf abgespeicherte Eselsbrücke hätten meine Sinne womöglich nie auf Dein Angebot in Meldorf reagiert.

Wie hast du dann geschwungen, um den Begriff “trainieren” zu vermeiden, und wieviel? 

Ich habe Ende Oktober 2018 den Kurs angefangen und mich einmal in der Woche eine Stunde nach Deiner Anleitung auf dem Trampolin bewegt.

Hat es Spaß gemacht? War es anders als sonstige Bewegungsformen?

Ich kann nicht vergleichen, da ich nichts anderes trainiere. Aber ja, es hat auch Spaß gemacht. Es hat aber auch viele (neue) Schmerzen bereitet und viele (alte) Schmerzen gelindert. Es hat vieles bewegt in meinem Körper, erstmal in Form von viel aufsteigender Wärme – schon in der ersten Stunde. Wandernde Schmerzen und wandernde Wärme kenne ich vom Tai Chi – beides sind gute Zeichen dafür, dass sich etwas tut im Körper, und in der Seele. Im Januar, kurz vor Ende des ersten Kurses wurde ich überschüttet von „Glückshormonen“. Ich kann nicht sagen, was damals genau passiert ist. Die anderen Kursteilnehmerinnen guckten mich plötzlich erstaunt an und fragten: „Was ist denn mit dir los?“ Ich fühlte mich einfach pudelwohl und sprang in die Luft! Danach war mir klar, dass ich ein eigenes Trampolin zu Hause brauche. Denn ich konnte mir nicht mehr vorstellen, mehrere Tage, mehrere Wochen, bis zum Beginn des nächsten Kurses, ohne Trampolin auszukommen.

Inwieweit hat es Dir einen (wertvollen) Beitrag geleistet?

Was für ein Vorbild: Mit 62 fit wie eine 40-Jährige (Foto: anaschanze.com)

Ich bin seit langem auf der Suche nach etwas Ganzheitlichem. Ich bewege mich nur in der warmen Jahreszeit. Es widerstrebt mir, im Winter in ein Fitnessstudio oder ins Hallenbad zu gehen, seit ich in Meldorf die Nordsee zu Füßen habe. Im Sommer radle ich regelmäßig – ohne eBike! – zum Deich, um in der Nordsee zu schwimmen. Es ist mir im Frühjahr 2019 aufgefallen, dass ich viel leichter als in den Jahren zuvor, zum ersten Mal wieder gegen heftigen Wind zum Deich oder nach Hause komme. In eine Richtung habe ich immer Gegenwind. Meine Beinmuskulatur war offensichtlich gut „trainiert“! Ich arbeite freiberuflich und kreativ. Das heißt, ich arbeite unregelmäßig, habe zeitweise intensive Phasen am Schreibtisch, in denen ich mich wahrscheinlich körperlich sehr verkrampfe oder versteife. Dann tut vor allem nachts im Bett alles weh, nicht nur der Rücken, nicht nur das Kreuz. Täglich eine halbe Stunde auf dem Trampolin hilft mir nun, Geist und Körper wieder etwas ins Gleichgewicht zu bringen. Die Schmerzen verschwinden nie alle. Im Gegenteil, es kommen je nach Tagesform immer wieder neue. Aber sie sind nun irgendwie willkommen, weil ich sie bewusster wahrnehme! Und ernst nehme. Sie sind nicht zufällig da. Zu Hause geht es mir eher um ein meditatives „Training“ – wenn wir bei diesem Wort bleiben wollen. Ich trainiere nicht nach Plan, nicht nach einem Soll, sondern mache das, was mein Körper gerade verlangt. Meist bleibe ich dort, wo es angenehm ist und warm wird. Die Wärme, zB in den Knien, ist nicht nur wohltuend, sondern vor allem beruhigend, eine Art Vertrauensbeweis meines Körpers. Er funktioniert und reagiert. Ich bin in einem Alter, in dem einiges vielleicht schon irreparabel abgenützt oder geschädigt ist. Da ich schlechte Erfahrungen mit dem Gesundheitswesen gemacht habe und mir das Urvertrauen in ärztliche, pflegerische oder betreuerische Dienste abhandengekommen ist, will und muss ich, soweit und solange das möglich ist, selbst für mein Wohlbefinden sorgen.

Bleibst du beim Trampi, wie geht’s weiter?

Ich werde dem Trampolin treu bleiben, denn es steht ja nun in meinem Wohnzimmer und lockt täglich neu … allen, die mich besuchen, mache ich etwas vor, kurzes Schwingen und Hüpfen, vielleicht noch den Hampelmann zum Beweis, dass die Zimmerdecke nicht zu tief hängt. Die meisten Leute denken, wir würden auf dem Trampolin akrobatische Wunder vollführen. Kürzlich sagte ein Freund, nachdem ich eine halbe Minute auf dem Trampolin nur sanft geschwungen habe: „Du siehst sofort ganz anders aus, glücklich!“

Noch komme ich in Deinen Kurs, um meine Fitness etwas aufzubessern, denn zu Hause mache ich meist nur ein Soft-Programm, das, was mein Körper gerade wünscht, mehr nicht. Ausdauer oder Schweißtreibendes gehört selten dazu. Etwas Kondition schadet mir nicht, und da Du immer freundlich und professionell auf alle Kursteilnehmerinnen, auf alle unsere Wehwehchen eingehst, werde ich Deine Kompetenz wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen und genießen. 

Vielen Dank für das Gespräch!

Ana Schanze (www.anaschanze.com) Danke, dass Du meinen Blog liest. Ich bin Dipl. Sportwissenschaftlerin, Heilpraktikerin für Psychotherapie (Körperpsychotherapie) und ehemalige freiberufliche Sport-Redakteurin. Ich schreibe hier über den Körper aus sportwissenschaftlicher, körpertherapeutischer und meiner eigenen Sicht.

“Ich musste dafür nirgendwo hinfahren”

„Fünfmal die Woche jeweils eine Viertelstunde“

„Nie mehr Volleyball“ lautete Vanessas Prognose. Das sind harte Worte für eine sehr aktive Frau. Sie reitet und spielt Volleyball schon ihr ganzes Leben lang. Im Volleyball ist sie sogar so erfolgreich, dass sie in der Regionalliga spielt und auch mit ihrer Mannschaft amtierende Deutsche Meisterin in der Altersklasse Ü37 ist. Und dann das Sportverbot und die Aussicht darauf, dass sie sich vom Volleyball endgültig verabschieden muss.

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„Das Trampolin hat mich in ein neues Leben begleitet“

„Sie kam, sah und siegte“ – so in etwa könnte man den Weg von Katharina (Der Name wurde von der Redaktion geändert) beschreiben. Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich bei der (Rück)Verwandlung dieser Frau dabeisein durfte. Ab dem Zeitpunkt ihrer Entscheidung für ihre Gesundheit konnte ich förmlich zusehen, wie sie sich nahezu täglich veränderte.

Auch wenn wir befreundet sind, musste ich manchmal zweimal gucken, ob sie es wirklich war. Ich habe großen Respekt vor ihrer „Attitude“ (ihrer Einstellung), ihrer Entschlossenheit und einer Art ruhiger Gewissheit. Unbeirrt hat sie ihren Weg in ein gesünderes Leben verfolgt.

 

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Die vergangenen vier Jahre habe ich in meiner Praxis für Körperpsychotherapie die Menschen dabei begleitet, von Innen heraus in die Aufrichtung zu kommen. Ich habe meine Klienten auf ihrer Reise zu sich selbst unterstützt, um tiefe Themen aufzuspüren, sie im Inneren zu lösen, um dann von Innen heraus aufzublühen.

Bewusst schwingen statt wild hüpfen

Wenn ich erwähne, dass ich Trampolin-Kurse gebe, dann sagen die Leute meistens: „Ich habe auch ein Trampolin im Garten stehen.“ Oder sie fragen: „Ist es das mit der Stange?“ Einige sagen gleich: „Das ist nichts für mich, ich habe Knieschmerzen/schwachen Beckenboden/Bandscheibenvorfall…“